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Mittwoch, 4. April 2018

Stillen ist Liebe?

"Stillen ist Liebe"

Die ist wohl einer der meistgenutzten Sätze bei Instagram Neumamas.
Mir war bereits lange Zeit vor der Schwangerschaft klar, wenn ich ein Baby bekomme, möchte ich es auch stillen. Ich möchte die Nähe zu meinem Kind und die Vorteile von der eigenen Gewichtsabnahme sind natürlich auch nicht von der Hand zu weisen.
Ich habe mir nie groß Gedanken darüber gemacht, ob es Probleme geben könnte. 
2 Wochen nach der Geburt kann ich euch sagen, ja, Stillen ist Liebe, aber Stillen ist auch nicht so einfach. Ich bin an meine Grenzen gekommen, wollte aufgeben und habe die ein oder andere Träne vergossen. 
Bereits am Tag der Geburt gab es Schwierigkeiten mit dem Stillen. Der kleine Mann konnte seinen Mund nicht weit genug öffnen und hat es nicht hinbekommen an der Brust zu trinken. Ich war wirklich sehr verzweifelt und es kam dazu, dass die Hebammen im Krankenhaus wenig Einfühlungsvermögen zeigten. Anstatt mir richtige Techniken zu zeigen, versuchten sie ihn ein paar mal rabiat anzulegen, gaben aber relativ schnell auf. "Er kann es nicht" bekam ich zu hören und fühlte mich miserabel. 
Ich bekam also eine Spritze in die Hand gedrückt und sollte die Milch aus der Brust massieren und ihn per Spritze füttern. 1ml mehr kam nicht. Und wieder fühlte ich mich hundeelend, wie ein Versager. Niemand sagte mir, dass es normal ist, dass es bei manchen etwas länger dauert. Sowohl die Milchproduktion als auch das Trinken Lernen. Ein besonders nettes Exemplar an Hebamme probierte ihn 2 mal anzulegen und sagte dann, ich solle abpumpen gehen, ich könne nicht stillen, meine Brustwarzen seien außerdem zu flach. Wow. Ich war wirklich sauer und gleichzeitig so hilflos. Man möchte als Neumama alles richtig machen und die Hormone spielen noch komplett verrückt, da kann man sich vorstellen, was in einem vorgeht.   
Ich ging also Milch abpumpen und die Menge steigerte sich auf 3ml, die ich ihm ebenfalls per Spritze gab. Damit war das Thema durch und ich bekam meine eigene Milchpumpe für Zuhause. Die Vertreterin von Medela, die sie mir überreichte, begrüßte uns mit dem Worten "Hier klappt also das Stillen nicht!" 
Der Kleine war gerade mal ein Tag alt... Ich machte mir immer mehr Vorwürfe und fragte mich, welche Mutter ihr eigenes Kind nicht versorgen kann. Totaler Blödsinn im Nachhinein!
Am Dienstag ließen wir uns aus dem Krankenhaus entlassen. Die U2 verlief super, bei mir war auch alles den Umständen entsprechend gut, also konnten wir gehen. Ich pumpte Milch ab und fütterte weiter mit Spritze. Jedes mal kam etwas mehr Milch und ich war stolz wie Oskar, als ich 20ml und mehr erreichte. Bennett trank nun zwischendurch auch von der Brust, wenn auch nie lange, aber den Mund konnte er immer weiter öffnen und saugen klappte gut. 
Mittwochs kam das erste mal meine Nachsorgehebamme. Sie guckte sich meine Brust an und konnte nicht verstehen, warum mir gesagt wurde, dass meine Brustwarzen nicht stilltauglich seien. Sie zeigte mir wie ich ihn richtig anlege und siehe da: er hat 15 Minuten getrunken. Ich war so glücklich. Ich stillte ihn nun alle 3 Stunden an abwechselnder Brust und pumpte danach zusätzlich Milch ab, um die Produktion noch mehr anzuregen. Anfangs musste Sven mir beim Anlegen noch helfen, danach klappte es immer besser alleine. Da der Kleine nicht mehr Pipi machte, mussten wir abends nochmal ins Krankenhaus zur Untersuchung. Ich stillte ihn im Behandlungszimmer und die Schwester kam und sagte ich solle ein Stillhütchen benutzen, da meine Brustwarze so flach sei und es beim Stillen Probleme gegeben hätte (stand ja so in meiner Krankenhausakte). Ich sagte ihr, dass die Probleme nur anfangs waren und es mittlerweile gut klappte. Sie dachte wohl, dass ich Ausreden suchte und "verkaufte" mir das Stillhütchen. Ich verstand es nicht und widersprach eine Zeit lang, bis ich widerwillig das Stillhütchen benutzte.
GANZ GROßER FEHLER! 
Ich bin die Mutter und weiß was das Beste ist und ich hätte mir nicht reinreden lassen sollen. Das weiß ich nun und werde nur noch auf mein Bauchgefühl hören. Es gab keinerlei Grund für ein Stillhütchen und das bestätigte meine Hebamme am nächsten Tag nochmal. 
Ich konnte nun auch mit dem Abpumpen aufhören, da er problemlos alle 3 Stunden an beiden Brüsten trank. 
Obwohl er so gut und lange an der Brust trinkt, hat er sein Geburtsgewicht leider noch nicht erreicht. Der aktuelle Grund ist wohl, dass nicht genug Milch beim Trinken kommt, obwohl 20 Minuten pro Brust getrunken wird und ganz offensichtlich bis zum Ende auch Milch da ist. Nun bekomme ich Bockshornklee Kapseln, um die Milchproduktion zu steigern. Mache mir wieder Vorwürfe, warum meine Milch nicht mehr reicht. Ich muss in den kommenden Tagen mit Pre Nahrung zufüttern, denn das Wichtigste ist, dass der Kleine sein Geburtsgewicht erreicht und das kann nicht auf die Milchproduktion warten. Mein aktueller Stillablauf ist alle drei Stunden pro Brust 10 Minuten stillen und danach gibt es Pre Nahrung, um seinen Bedarf komplett sättigen zu können. Sobald ich wieder mehr Milch habe, kann ich auf die Pre Nahrung verzichten und er wird wieder vollgestillt. Ich versuche mir nicht so einen Druck zu machen und dumme Kommentare aus der Verwandtschaft zu ignorieren. Ich bin die Mutter und weiß was das Beste für mein Kind ist. Ich vertraue meiner Hebamme voll und ganz. Woher soll jemand wissen was gut für mein Kind ist, der es gar nicht wirklich kennt?
Stillen ist eine emotionale Achterbahn. Man ist glücklich, dass es klappt, möchte weinen vor Schmerz, wenn man den Kleinen an eine wunde Brustwarze anlegt und man macht sich Vorwürfe, wenn es nicht läuft. Als Mutter macht man sich eben immer Gedanken. Aber so schwer es auch fällt, man muss das Ganze lockerer sehen. Man gibt sein Bestes, egal ob Stillen, Zufüttern oder reine PreNahrung. 

Ja, Stillen ist Liebe! Aber man liebt sein Kind nicht weniger, wenn man ihm eine Flasche gibt. Es ist nicht selbstverständlich, dass Stillen funktioniert und die Gesellschaft sollte aufhören Müttern ein schlechtes Gefühl zu geben, wenn sie nicht stillen wollen oder eben können.


EDIT 02.05.2018: In dem Video gibt es ein Update zu meiner aktuellen Still und Zufütter Routine


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